Was ist DMR? 

DMR (Digital Mobile Radio) ist ein offener digitaler Übertragungsstandard für Sprache und Daten, der hauptsächlich im Bereich von nicht-öffentlichen Betriebs- und Behördenfunknetzen Anwendung findet. Er basiert auf dem TDMA-Verfahren (Time Division Multiple Access, Zeitmultiplex) und benützt 4-Level FSK Constant Envelope Modulation. 2005 erstmals publiziert und 2006 von der ETSI (European Telecommunications Standards Institute) als Standard verabschiedet, hat sich DMR inzwischen nicht nur im professionellen Umfeld bewährt, sondern auch im Amateurfunk Eingang gefunden. Die Offenheit und Einfachheit des Standards sowie dessen Konformität mit den Bestimmungen und Regeln der US FCC (Federal Communications Commission) führten zur Adoption durch viele Hersteller (Motorola, Vertex, Hytera, Kirisun, TYT, Sepura, EMC, Kenwood, Simoco, Harris, Tait, Vertex, ZTE und andere) und zu einer schnellen Verbreitung.

Für den Amateurfunk ist dies natürlich ebenfalls von Vorteil, da einerseits qualitativ hochstehende, professionelle Geräte von einer Vielzahl von Herstellern zur Verfügung stehen, und ausserdem ein echter Markt mit professionellen Nutzern und untereinander in Konkurrenz stehenden Anbietern besteht. Gelegentlich sind auch gebrauchte Geräte und Infrastruktur relativ günstig zu erwerben.

Aus Nutzersicht sind die verschiedenen Endgeräte weitgehend kompatibel, wenn auch auf Infrastrukturseite (Repeater, Vernetzung) proprietäre Systeme bestehen, die aufgrund unterschiedlicher Protokolle nicht ohne Weiteres untereinander kommunizieren können. Dies bedeutet, dass ein beliebiges DMR-Handfunkgerät sowohl im Simplex- als auch im Relais-Betrieb problemlos mit Geräten anderer Hersteller kommunizieren kann. Lediglich gewisse Sonderfunktionen (Textnachrichten, Telemetrie, Alarmfunktionen) sind Beschränkungen unterworfen. Die Vernetzung von mehreren Umsetzern funktioniert jedoch out-of-the-box in der Regel nur mit Geräten desselben Herstellers. Es gibt allerdings verschiedene Lösungen aus dem kommerziellen Bereich, und jüngst auch hochinteressante und sehr leistungsfähige Entwicklungen von engagierten Amateurfunkern, welche die Vernetzung unterschiedlicher Netze ermöglichen.

Aus Sicht des Amateurfunks nachteilig oder etwas gewöhnungsbedürftig ist die durch die professionelle Ausrichtung der Geräte bedingte Programmierung der Geräte, welche oft nicht direkt am Gerät, sondern über einen PC mit entsprechender Software und Interface-Kabel vorgenommen werden muss. Viele Endgeräte besitzen kein Display und ein programmiertes Gerät kann meist auch nicht ohne Weiteres an veränderte Bedingungen wie beispielsweise neue Repeater-Frequenzen, neue Kontaktpersonen oder Sprechgruppen angepasst werden. Dazu ist jedes Mal eine Anpassung der Programmierung über die entsprechende Software mittels Interface-Kabel (unter Umständen auch über Bluetooth, WLAN oder "over the air") erforderlich. Gewisse Geräte erlauben jedoch auch eine Änderung der programmierten Parameter direkt am Gerät. Für gewisse Modelle ist ausserdem bereits alternative und modifizierte Firmware erhältlich, welche den Funktionsumfang erweitern, normalerweise gesperrte Features aktivieren und speziell für auf Amateurfunk- oder Sysop-Bedürfnisse zugeschnittene Funktionalität enthalten.

Viele der auf dem Markt erhältlichen DMR-Funkgeräte sind überdies im gleichen Frequenzband auch in der analogen FM-Betriebsart verwendbar.

DMR verwendet zwei Zeitschlitze, was theoretisch ein Vollduplex-Gespräch ermöglichen würde. Im Amateurfunk werden die zwei Zeitschlitze jedoch zur Verdoppelung der Kapazität verwendet. Auf derselben Frequenz können gleichzeitig und voneinander unabhängig zwei Gespräche geführt werden.

Weiter zur Geschichte und Entwicklung von DMR im Amateurfunk.